Coaching ist keine Psychotherapie

5. April 2016

Gratwanderungen frühzeitig erkennen

Die Aussage ist klar: Coaching ist keine Psychotherapie und kann sie auch nicht ersetzen. Die Voraussetzung bei Klienten für ein Coaching sind eine normale psychische und physische Stabilität und Belastbarkeit. Was ist das und wie wird eine Session nicht für Coach und Coachee zur Gratwanderung?

Im Coaching sind die Grenzen zur Psychotherapie oftmals fliessend. Wie zum Bespiel beim Burnout, ein Alltagsgeschäft eines Coaches. Während es den einen Coachees gelingt die Belastung aus eigener Kraft zu bewältigen, verharren andere über Monate in Zuständen der Angst und Sorge, bis hin zu depressiven Verhaltensweisen, oder gar Selbstmordgedanken.

Fachlich gesehen hat der Psychotherapeut in diesem Beispiel die besseren Voraussetzungen die Situation des Klienten/Patienten einzuschätzen – eine fundierte Ausbildung in Psychologie, Psychopathologie und psychotherapeutischen Interventionsmethoden. Dazu kommt eine regelmässige Supervision. Schliesslich bleiben Menschen fehleranfällig.

Ein Coach hat in der Regel eine Ausbildung in einer oder mehreren Methoden, die in der Wirksamkeit der von Psychotherapeuten selten nachstehen. Sei es Hypnose, WingWave, NLP, systemisches Coaching, iEMDR, EFT, Palmtherapy oder wie sie alle heissen. Gleichzeitig ist der Coach immer wieder mal unter anderen mit den folgenden Fragen konfrontiert, ohne sich dessen bewusst zu sein:

  • Wie ist die „normale“ Gesundheit, Stabilität und Belastbarkeit des Kunden?
  • Wo liegen die Grenzen meiner eigenen Kompetenzen als Hypnose-Coach?
  • Wen sollte ich an einen Psychotherapeuten weiter verweisen?
  • Wie wirken Medikamente und welchen Einfluss haben sie?
  • Wie gehe ich mit Suizid-Äusserungen um?

Fragen, die meist nur mit entsprechender Bildung beantwortet werden können und für Psychotherapeuten selbsterklärend sind. Auch rechtlich nicht unerheblich, denn Unwissen schützt nicht vor Strafe.

Rechtlich gesehen gilt: Wer das Feld des sicheren Könnens verlässt, riskiert bei einem eintretenden Schaden den Vorwurf der Körperverletzung oder der unterlassenen Hilfeleistung.

Als Supervisorin blicke ich auf eine 30-jährige Tätigkeit in der Psychiatrie zurück und erleben immer wieder, dass Klienten mit schwerwiegenden psychischen Problemen oft lieber zu einem Coach gehen, als zu einem Psychotherapeuten. Entsprechend sollte der Berufszweig „Coach“ sich für den Fall der Fälle vorbereiten:

  • Seriöse Anamnese mit Fragekatalog
  • Adressen für Notfallmassnahmen bereit halten
  • Mit Psychotherapeuten zusammenarbeiten
  • Intervision & Supervision nutzen
  • Psychologisches Basiswissen aufbauen

Eine Teilnehmerin in einem der letzten Seminare Basiswissen Psychopathologie hatte eine Woche nach dem Seminar einen Klienten, welchen sie auf Grund seiner versteckten Äusserungen genauer befragte, und dafür eine Checkliste nutzte. Es stellte sich heraus, dass sich ihr Kunde seit längerem mit dem Thema Suizid befasste und für ihn auch eine Option seiner Problemlösungen war. Erst durch das Aufdecken konnte ein für den Klienten passender Prozess gestartet werden.

Eine Basis in psychopathologischem Grundwissen ist für die Arbeit mit unseren Kunden unerlässlich und ein wichtiger Bestandteil für die Kompetenzen als Coach. Damit eine Session nicht zu einer Gratwanderung wird.

(Bild: pixabay.com)

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Silvia Bandini

Silvia Bandini

Silvia Bandini ist Coach und Supervisorin BSO. Sie hat über 15 Jahre die Station einer psychiatrischen Klinik geleitet. Elementares Wissen, dass sie bei MGP an Coaches und Therapeuten weitergibt.

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